Ein heißer Juli 17 – Der Ritt der nackten Hexen
©helios53 XI/2011
Ranger
Claudia steht mit Sabine und Susi in einem Schuppen und antwortet auf die Frage, wie sie denn nun zum Volleyballtraining kommen sollen mit: „Voila! Damit“
Sabine hat es sozusagen die Sprache verschlagen. Susi fragt stockend: „Fährt das Ding überhaupt noch? Das ist ja mindestens fünfzig Jahre alt!“ Da steht ein kantiges Gefährt, teils mausgrau, teils rostrot, aber der Motor glänzt wie frisch poliert.
„So ein Quatsch! Nicht mal halb so alt. Ich dachte, ihr habt Ahnung von Mopeds. Das ist eine Puch Ranger, Baujahr 1984. Ich und mein Bruder haben daran ein wenig rumgebastelt …“
„Du hast einen Bruder? Josie hat davon nichts erwähnt, dass sie ein zweites Mal ‚nicht aufgepasst’ hätte.“
„Er ist nicht mein leiblicher Bruder, sondern der Enkel von meinem Großonkel, bei dem ich aufgewachsen bin. Besser gesagt, der Mann, der Mamas Tante geheiratet hat. Ihr wisst schon, da, wo ich Traktorfahren gelernt habe …“
„Mit Dildo!“, unterbricht Sabine, die endlich wieder Worte gefunden hat, die sie unbedingt loswerden muss.
„Genau! Und der Roman …“
„Etwa der Fußballer?“, mischt sich wieder Sabine ein.
„Richtig. Hast du den auch schon kennengelernt? Ach so, beim Sportlertreff!“
„Nicht bloß kennengelernt, äh …“
„Du lässt aber schon keinen Mann aus!“
„Nicht, wenn er willig und dabei so sympathisch ist.“
„Und ein guter Stecher!“
„Das heißt, du hast dir damals nicht nur Dildos in die Muschi geschoben?“
Claudia grinst und meint, das gehöre jetzt nicht hierher, obwohl ja keine Straftat vorliege.
„Ich dachte, du warst damals erst vierzehn?“
„Dreizehneinhalb, wenn du es genau wissen willst und er ist nur ein halbes Jahr älter. Keine Straftat und jetzt Schluss damit. Sucht euch einen Helm aus, dann geht es los!“
„Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Ich meine, du meinst, äh …“, stottert Susi.
„… dass wir da nackig drauf runter fahren?“, ergänzt Sabine.
„Warum denn nicht? Mit Helm auf, erkennt euch ja keiner und sonst seid’s auch nit so g’schamig. Jetzt rennt’s den ganzen Tag nackat durch die Gegend und iatz ziacht’s in Schwanz ein. Oder wie man in diesem, eurem Falle, sagt.“ Claudia spielt auf empört. Und hat wieder mal den wunden Punkt erwischt. Kneifen gilt nicht.
„Okay, okay, dann aber du auch. Mitgegangen, mitgefangen. Runter mit den Klamotten!“ Sabine ist unbarmherzig. Sie und Susi starren Claudia fordernd an, doch die sträubt sich.
„Na! Na, wieso? Ich hab‘ ja ein G’wand und außerdem muss ich auf den Tank rutschen, sonst habt’s ja keinen Platz.“
„Dann leg dir eine Decke unter, damit du dir die Muschi nicht verkühlst, aber entweder alle oder keine!“
Wieder grinst Claudia, zieht sich aus, hängt alle Sachen über den Arm und verkündet: „Ich hab’s ja gewusst, dass ihr bei der Hetz mitmacht. War auch klar, dass ihr mich da nicht raus lassen würdet. Also habe ich vorhin – da wart ihr noch beim Vögeln – Anziehsachen für uns alle drei in den Stauraum gestopft. Schiebt die Puch schon mal raus, ich hol noch was. Decke ist da drüben in der alten Kommode.“
Claudia verlässt den Schuppen, Sabine öffnet das Tor und Susi schiebt die alte Ranger hinaus in die Sonne. In der Kommode finden sie auch eine passende kleine Decke, die sie über den Tank breiten und mit einem Gurt, der auch in der Schublade lag, befestigen. Danach studieren sie eine interessante Auswahl an Helmen. Sabine findet für sich einen schwarzen Vollvisierhelm mit aufgemalten roten Flügeln, Susi entscheidet sich für ein rotes Exemplar, auf dem das Bild eines kopulierenden Paares aufgeklebt ist. „Wenn schon geil, dann ganz!“, befindet sie. Sabine wiederum glaubt jetzt, ihre roten Flügel seien zu bieder. Als Ersatz greift sie einen Helm, der von hinten gesehen wie ein knackiger, nackter Po aussieht. „Voll geil!“, kommentiert Susi.
Sabine hat noch was auf dem Herzen. „Du-u? Sag mal ganz ehrlich, wärst du wirklich nackt zum Servieren rausgegangen? Ich weiß nicht, ob ich mich getraut hätte.“
Susi schmunzelt. „Ich war mir zu neunundneunzig Prozent sicher, dass mich Claudia stoppt. Erinnere dich, wie sie streng war, dass wir wegen der Touristen nicht nackt vor dem Haus herumturnen sollen!“
„Verflixt! Daran habe ich nicht gedacht!“
„Macht nichts. Dafür hast du ja mich, fürs Denken.“
„Schuftin! Stell mich nicht als blondes Dummchen hin!“
„Bist doch blond!“
„Aber nicht so blond!“ Sabine schiebt eine dicke Schmolllippe, ****** aber gleich darauf in Gelächter aus. „Du bist mir eine, Susi! Aber was wäre gewesen, wenn das eine Prozent eingetreten wäre?“
„Tja, dann … Ich weiß auch nicht, ich war mir einfach sicher.“
„Aber jetzt rein theoretisch …?“
„Rein theoretisch wäre ich praktisch in der Scheiße gesessen. Wahrscheinlich hätte ich es durchgezogen. Du kennst mich ja. Kneifen nur bei Lebensgefahr.“
Sabine seufzt. „Ja, das kenn ich. Verdammter Stolz!“
Toys
Da kommt auch Claudia wieder. Ihr Helm ist schneeweiß und trägt gut sichtbar in großer Schrift ihren Namen, ihre Sozialversicherungsnummer und ihre Blutgruppe. Unter dem Arm trägt sie eine längliche Schachtel. „Das habe ich von der Bea. Ich soll sie mal durchprobieren. Da könnt ihr mitmachen, dann haben wir ein wenig Spaß bei der Fahrt.“ Sie nimmt den Deckel ab und da liegen in Wattebettchen sechs Lustkugeln in verschiedenen Ausfertigungen. Bei zwei Exemplaren kann man eigentlich nicht von Kugeln reden. Ein Modell besteht aus zwei tropfenförmigen Körpern, die durch einen schmalen Steg verbunden sind, ein weiteres sieht aus wie ein an beiden Enden abgerundeter Zylinder, die anderen vier sind traditionell: Zwei Kugeln, durch ein Band verbunden, aber verschieden in Farbe, Größe und Oberflächenstruktur.
„Nein danke! Das lass ich lieber bleiben, da hab‘ ich schlechte Erfahrungen gemacht!“, lehnt Susi ab.
„Ach ne! Du hast da schon Erfahrungen mit?“, springt Sabine gleich drauf an. Susi gibt die Kurzfassung ihres Erlebnisses mit dem wild gewordenen Dildo von Marika zum Besten.
Doch Claudia beruhigt sie. „Da ist keine Gefahr, die sind alle ohne Batterie. Es soll aber ein tolles Gefühl sein, wenn dich die Dinger so ausfüllen und sich in deinem Rhythmus bewegen. Halt die Muschi ruhig - und stopp! Ganz ungefährlich.“
Die experimentierfreudige Sabine greift mutig zum Doppeltropfen, Claudia entscheidet sich für die größten Kugeln. „Vierundvierzig Millimeter, Edelstahl, hohl, Innenkugel, hm“, liest sie vor. „Sieht gar nicht so riesig aus. Marks Schwanz ist jedenfalls dicker und der passt rein, also muss das locker gehen!“ Schon schiebt sie sich die erste Kugel in die Vagina. „Los Mädels, nur Mut, da wird es uns während der Fahrt nicht langweilig!“ Wenn die wüsste!
Auch Sabine versucht es unverdrossen und es flutscht problemlos. Probeweise hüpft sie hin und her. „Aaah! Das ist richtig angenehm!“ Erwartungsvoll starrt sie Susi an, die immer noch unsicher ist, ob sie sich noch einmal so einem Risiko aussetzen soll.
Jetzt fixiert sie auch noch Claudia unter fordernd gerunzelten Augenbrauen hervor. Ganz gegen ihr sonstiges cooles Selbstbewusstsein zappelt Susi nervös, greift dann aber fahrig in die Schachtel. Verblüfft, fast erschreckt, erkennt sie in ihrer Hand den bedrohlich aussehenden Zylinder. Er glänzt golden und an einem Ende ist ein dünnes Kettchen mit einem Ring befestigt.
„Super Wahl!“, ruft Claudia. „Schieb ihn rein, dann geht’s los. Pass nur auf, dass du den Ring nicht mitverschluckst, der ist zum Rausziehen da!“
Susi wirft ihr einen giftigen Blick zu – darauf wäre sie selber auch gekommen – und fügt sich ins Unvermeidliche. Probeweise zieht sie am Ring, danach scheint sie beruhigt. „Okay! Bringen wir es hinter uns. Eigentlich sind wir vollkommen plemplem!“
„Ja!“
„Genau!“
Claudia tritt auf den Kickstarter und der Motor springt sofort knatternd an. Sie schwingt sich auf den Sitz und rutscht so weit wie möglich nach vor. „Let’s fetz, Mädels, sattelt die Pferde!“ Susi klemmt sich dahinter und schmiegt sich an Claudias Rücken.
„Rutsch weiter vor, ich hab‘ so nicht genug Platz da hinten!“
„Geht aber nicht!“
„Schieb deinen fetten Arsch nach vorn, Susi!“
„Selber fetter Arsch! Das sind die zwei Knödel von letztem Montag, die du unterschlagen hast!“
„Das sind keine Knödel, das ist mein Busen! Und jetzt rück, sonst …!“
„Was sonst?“
Sabine zwickt heftig in die Po-Backe vor ihr. Susi zuckt nach vorne und schreit erbost: „Auaa! Bist du des Wahnsinns?“
„Na, also! Geht doch!“ Sabine reibt zärtlich über die betroffene Stelle. „Bleib ja, wo du bist!“ Dann setzt sie sich vorsichtig hinter ihre Freundin und schlingt ihre Arme um sie, hält sich an Claudias Taille fest. „Fahr los, aber vorsichtig! Ich habe ja keine eigenen Fußrasten.“
Claudia versucht ihr Bestes, aber sie muss trotzdem ganz ordentlich beschleunigen, damit die Ranger die Rampe hinaus zum Güterweg schafft. Gleich darauf rumpelt sie über den ersten, dann über den zweiten Weiderost. Dies versetzt die eingeführten Sexspielzeuge in Schwingungen, die sich auch bei der weiteren Fahrt über die unebene Straße nicht legen, eher noch verstärken. Gelegentliche Seufzer zeugen von der einsetzenden Wirkung.
Besonders Susi scheint ziemlich in Stimmung zu kommen. Gelegentlich entfährt ihr ein wehmütiges „Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa!“
Die heiße Fahrt findet nicht ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einige Wanderer lassen sie verblüfft stehen, einer schreit anerkennend: „Geiler Arsch!“, wobei nicht klar ist, ob er Sabines eigenen oder den auf ihrem Helm meint. Wahrscheinlich beide.
„Und von meinem Busen sagt er gar nichts?“, meckert Susi, „Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa!“ Der Weg führt nun durch den Wald. Wurzeln queren die Fahrbahn. Claudia rumpelt ungerührt drüber, die Kugeln und Federn im Zylinder geraten in heftige Vibrationen. „Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa! Oioioi! Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo!“, singt Susi in aufsteigender Ekstase. So lernt sie auf natürliche Weise das Jodeln.
„Hier sind mir zu viele Fußgänger, ich nehme eine andere Strecke!“, verkündet Claudia und biegt in einen Hohlweg ab.
„Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo! Eieieieiei-juu!“ Susi hechelt. Gut, dass sie von Sabine fest umklammert wird. Der Weg wird rauer, Claudia geht mit dem Tempo runter. Rechts, etwas abseits, steht eine Kapelle, davor ein paar Leute, Sabine glaubt, in einem den schüchternen Gabriel zu erkennen, aber schon sind sie vorbei.
„Scheiße, scheiße, scheiße!“, flucht Claudia. „Heute ist Edelburg!“
„Was?“
„Edelburg, siebter Juli, Festtag der Heiligen Edelburg. Hier haben wir lauter so bescheuerte Heilige, die niemand kennt, aber an ihrem Tag gehen die Leute wallfahren. Macht euch auf was gefasst!“ Sie gibt wieder Gas. „Augen auf und durch! Gut festhalten!
Exorzist
„Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa! Oioioi! Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo!“ Claudia betätigt dazu eine rostig klingende Hupe. Tatsächlich kommt ihnen hinter einer Biegung ein Trupp Wallfahrer entgegen. Schimpfend springen sie zur Seite. „Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo! Eieieieiei-juu!“, heult Susi.
An der nächsten Kurve ist eine Kreuzwegstation, davor andächtige Pilger. Nur eine schmale Gasse bleibt frei, zwischen den Menschen und Station VIII, Jesus begegnet den weinenden Frauen. Frauen sind da, aber sie weinen nicht, sondern kreischen: „Hexensabbat, Hexensabbat! Weiche, Satan!“
Ein exorzistisch geschwungenes Holzkreuz in der Hand eines hageren Mannes verfehlt die drei ‚Hexen’ nur knapp. „Der hält sich wohl für’n Pater Haspinger!“, knurrt Claudia. „Aber gleich haben wir es geschafft, Da vorne können wir durch den Wald ausweichen. Gut, dass die Ranger geländetauglich ist!“
Knapp vor einer weiteren Gruppe Wallfahrer, die entsetzt erstarren wie Lots Weib, rast Claudia mit ihrer heißen Fracht über einen schmalen Pfad aus dem Hohlweg hinaus in den Wald, bremst aber sofort und verhindert damit, dass Sabine aus dem Sattel geworfen wird. Die beißt die Zähne zusammen und sagt nichts mehr. Susi wimmert lustvoll.
Auf einer sonnigen Lichtung stoppt Claudia das Moped und nimmt den Helm ab. „Puh! Das war aber was!“ Sabine steigt vorsichtig nach hinten ab und reibt sich den Po. Susi klebt immer noch an Claudias Rücken und schnauft angestrengt. Die tollkühne Lenkerin wackelt aber aufmunternd mit den Hüften. „Los jetzt! Keine Müdigkeit vorschützen! Kurze Pause und Kriegsrat. Aaaabsteigen!“ Seufzend schwingt Susi sich aus dem Sattel und taumelt gegen Sabine, die sie zärtlich umfängt.
Langsam normalisiert sich aller Pulsschlag wieder. Die drei schauen sich an und brechen unisono in übermütiges Gelächter aus. „Mannomann, war das geil!“
„Das kannst du laut sagen!“
"Oh ja! Und wie geil!“, flüstert Susi und zerrt an ihrem Rückholkettchen. Sie hält Claudia den glänzenden Zylinder hin. „Da! Ich halte das nicht länger aus, aber es war irre geil, auweia!“
Aber sie wird das Ding nicht los. „Was soll ich denn jetzt damit? Ich habe keine Tasche und in meiner Muschi ist schon besetzt!“
„Gib ihn bitte ins Gepäckfach oder so.“
„Kommt gar nicht in Frage. Dort ist es so vollgestopft, wenn ich jetzt aufmache, quillt alles raus, geschweige denn, dass ich noch was zusätzlich reinbringe. Oder wollt ihr aufgeben und euch anziehen?“
„Was wir? Wer war denn so gaga, dass wir nackt zum Training fahren sollen, weil dort sowieso FKK ist? Wir etwa?“ Susi ist jetzt echt aufgeregt.
„Wir geben nicht auf, nie! Aber du bist hier Kapitän, du triffst die Entscheidungen, also auch über Kapitulation oder Weitermachen“, stellt Sabine klar und damit Claudia vor eine knifflige Frage. Der Schwarze Peter ist eindeutig zugewiesen und es gibt keine Chance, diesen wieder loszuwerden.
Ein Weilchen grübelt Claudia nach einer Lösung, bei der sie nicht das Gesicht oder den Führerschein verliert, dann beißt sie die Zähne zusammen und zischt: „Verdammt, wir ziehen das jetzt durch! Susi, schieb dir das verflixte Ding wieder rein oder häng es dir um den Hals und aufgesessen!“
„Schieb den Zylinder so weit wie möglich hinein, dann trommelt er dir nicht dauernd auf den G-Punkt!“, rät Sabine, und aufseufzend fügt sich Susi in ihr Schicksal. Diesmal drückt sie sich freiwillig eng an Claudia, sodass Sabine ihre drohend zwickbereite Hand wieder senken und sanft um ihre Freundin legen kann. In gemäßigtem Tempo geht es durch den lichten Kiefernwald.
„Wenn das nur gut geht!“, knurrt Claudia.
„Wieso? Es ist doch bisher auch immer gut gegangen?“, muntert sie Susi auf.
„Komm uns jetzt nicht mit kölschen Weisheiten!“, meldet sich Sabine von ganz hinten. „Wir brauchen bloß ein klein wenig Glück und hier im Wald ist keiner mehr, der uns mit der Kreuzkeule bearbeiten will.“
„Schon, aber jetzt kommen wir auf die Landstraße. Da ist ganz normaler Straßenverkehr. Nicht viel, aber eben doch. Rund ein Kilometer. Wenn wir auf dem alten Weg geblieben wären, hätten wir nur knapp hundert Meter gehabt.“
„Wie schnell läuft denn das Ding?“
„Wie schon angedeutet, haben Roman und ich ein bisschen gebastelt. Jetzt schafft sie knapp neunzig Sachen mit fünf PS. Es ist jedes Jahr eine Sauarbeit, alles fürs Pickerl zurückzubauen.“
„Für was??“
„Pickerl! Plakette! TÜV!“
„Ach so. Neunzig also? Das heißt, wir brauchen ungefähr fünfundvierzig Sekunden für den Kilometer, na, sagen wir, eine Minute. Mein Gott, das schaffen wir!“ Susi ist auf einmal wieder zuversichtlich. Sabines Rat war wohl Gold wert gewesen.
„Dann wollen wir es versuchen. Dein Wort in Gottes Gehörgang!“ Behutsam schlängelt sich Claudia durch die licht stehenden Stämme. Vereinzelten Kranebittstauden (Wacholderbüschen) muss sie zwar ausweichen, aber geschickt bugsiert sie das Moped durchs Gelände. Die Vibrationen halten sich in Grenzen. Susi muss nicht mehr jodeln.
Von weiter unten hört man gelegentliche Motorgeräusche vorbeifahrender Autos, Traktoren und Motorräder. „Ich fürchte, um Publikum kommen wir nicht herum. Länger als etwa zwanzig Sekunden war da unten nie Ruhe“, vermeldet Susi.
Diese Vermutung bestätigt sich, als sie kurz darauf am Straßenrand anhalten. Nur notdürftig von einem Gestrüpp verdeckt, beobachten sie den Verkehr. Kurz entschlossen biegt Claudia hinter einem Lastwagen, der in die richtige Richtung fährt, ein und versucht mit Vollgas, den Anschluss zu gewinnen. Mit dem gemütlichen Tempo des klapprigen Transporters wird es zwar länger dauern, dafür sind sie einigermaßen in Deckung. Im Windschatten sind sie weder vom Fahrer, noch von entgegenkommenden Fahrzeugen zu sehen. Dafür aber von zwei Motorradfahrern, die plötzlich von hinten heran geschossen kommen, umso besser. Anstatt den Lastwagen flott zu überholen, nehmen sie die drei Nackten links und rechts in die Zange, schieben ihre Visiere auf und grinsen übers ganze Gesicht. Daumen hoch! Dann lässt sich der rechte wieder zurückfallen und fegt hinter seinem Kumpel her, der mit aufheulendem Motor den Laster stehen lässt.
Doch nur wenige Sekunden später ist er wieder da, kommt ihnen entgegen, wendet und deutet Claudia, anzuhalten. Die stoppt auf dem Bankett und schaut den Biker fragend an. „Da vorne ist Polizeikontrolle. Mein Kumpel ist denen voll in die Falle gefahren. Ich konnte gerade noch die Biege machen.“
Claudia ist die Ruhe selbst. „Wo genau? Bei dem kleinen Parkplatz mit dem grünen Abfalleimer?“, vermutet sie.
„Abfalleimer weiß ich nicht, aber jedenfalls ist da rechts ein Platz. Da steht der Streifenwagen.“
Claudia bedankt sich herzlich und lädt den Straßenkameraden zu einem Glas Buttermilch auf die Mugglalm ein. Doch der Mann ist aus Leverkusen und will heute noch mit seinem Kumpel über den Brenner. Vielleicht auf dem Rückweg? Sabine sinniert, wie Claudia wohl das mit der Buttermilch meint und kommt durchaus zum richtigen Ergebnis. So ist sie halt!
Nun, ohne Deckung durch Gebüsch, Lastwagen oder Motorradfahrer und mit der drohenden Polizeigefahr voraus fühlen sie sich erst so richtig nackt. Gespannt wie ein Flitzebogen fährt Claudia noch ein wenig weiter, biegt dann abrupt in einen Waldweg ein und stoppt. „Da vorne müssen sie sein. Ich schleich' mich mal an und sondiere die Lage!“
„Ich komm‘ mit.“
„Ich auch!“
„Also mir nach!“
Die drei nackten Wilden schleichen im Gänsemarsch durch den Wald. Plötzlich stoppt Claudia, die beiden anderen laufen auf sie auf. „Psst! Da ist Rebekka! Vielleicht kann sie uns helfen. Sonst geben wir auf. Ich riskier' nicht meinen Schein. Sie haben mich schon zweimal zu dritt auf der Ranger erwischt, nackt aber noch nie.“
Die Polizei, dein Freund und Helfer
Sabine und Susi drängen nach vorne. Sie wollen auch einen Blick erhaschen. Da steht ein Streifenwagen, am Straßenrand ein etwas korpulenter Polizist mit Radarpistole. Doch er blickt in die andere Richtung, dem abgestraften Biker nach. Von Rebekka sind im Augenblick nur ihr praller Po und die Beine zu sehen. Der Rest ist im Auto, offensichtlich auf der Suche nach irgendwas, einem Gummiknüppel oder sonst einem praktischen Gegenstand. Claudia wirft mit Kiefernzapfen nach ihr. Schon der zweite trifft Rebekka am Hintern. Fuchsteufelswild schießt sie aus dem Wagen, sucht den Übeltäter.
Claudia wirft noch einen Zapfen in Richtung der rothaarigen Polizeischülerin, zeigt ihr Gesicht und winkt. „Psst! Hierher, Rebekka, hierher! Foooxy!“ Endlich setzt die sich in Bewegung. Als sie erkennt, was sich hinter dem Gebüsch verbirgt, fängt sie hell an zu lachen, aber Claudia hält ihr blitzschnell den Mund zu. Wenn das der andere Polizist sähe, zöge er wohl unweigerlich die Waffe. Aber er schaut immer noch in die andere Richtung und hofft auf Schnellfahrer. „Psssst!“, zischt Claudia noch einmal und erklärt Rebekka ihre Lage.
Deren Augen funkeln belustigt. „Ihr wollt wirklich zu dritt und nackat auf deinem Moped über die Landesstraße nach Klein Hawaii? Wow! Wenn ich nicht bei der Polizei wäre, würde ich mitmachen, ich schwör’s. Okay, wir machen es so. Ihr geht zurück, du drückst auf die Hupe, zählst bis zwanzig, dann fahrt ihr los, aber nicht Vollgas, sondern gemütlich. Den Rest mach‘ ich. Wenn’s hinhaut, merkt der Zimmermann gar nicht, dass da was war, wenn nicht, seid ihr natürlich dran, wenn er euch erwischt. Also in dem Fall Vollgas und dann ab in Richtung Pirkat. Er wird euch dann verfolgen wollen, aber ich hab die Schlüssel, also fahr ich.
Wenn wir dann tatsächlich hinter euch nachjagen, seht ihr, wie wir vorbeirauschen. Dann fahrt uns mit Volldampf nach. Nur ich sehe euch im Rückspiegel und ich ‚verfolge ‘euch bis weit hinter Klein Hawaii. Der Zimmermann ist so fett, dass er seinen Hals nicht so weit drehen kann. Also keine Gefahr, dass er merkt, was hinter ihm vor sich geht. Ich bin ihm eh noch was schuldig, denn seit er von der Fete auf der Hütte gehört hat“ – Rebekka grinst lasziv bei der Erinnerung, Claudia, Susi und Sabine detto – „will er mir ständig an die Wäsche, das Schwein! Jetzt kriegt er, was er verdient. Ich hab da einen Plan!“
„Lass hören!“
„Noch nicht, ihr kriegt das schon mit, wenn es soweit ist."
Etwas unzufrieden, weil ihre Neugier ungestillt bleibt, traben die drei Nackten zurück zum Moped. Claudia startet den Motor und als alle aufgesessen sind, drückt sie kräftig auf die Hupe. Gemeinsam zählen sie bis zwanzig, dann fährt sie los. Unglücklicherweise kommt gleich hinter ihnen ein Kleintransporter, der zwar eng aufschließt, aber nicht überholt. Der Fahrer weidet sich offenbar an dem Anblick.
Als sie am Streifenwagen vorbeifahren, wenden ihnen die Polizeibeamten die Rücken zu. Anscheinend weist Rebekka ihren Partner Zimmermann auf irgendetwas oben auf dem Berghang hin. Alles scheint gut zu gehen, da drückt der geile Idiot im Lieferwagen auf die Hupe. Natürlich fährt Zimmermann herum und obwohl Rebekka geistesgegenwärtig noch versucht, ihm die Sicht zu verstellen, erhascht er einen Blick auf Sabines nackten Hintern. Claudia reißt am Gas, die Ranger heult gequält auf.
Verfolgt vom Kleinlieferwagen beschleunigt die alte Puch, doch noch vor Erreichen der Höchstgeschwindigkeit, reißt Claudia das Gefährt in die Abzweigung zum Weiler Pirkat und geht im Gebüsch in Deckung. Von hinten ertönt das Folgetonhorn. Rebekka leistet ganze Arbeit!
Mit Blaulicht und nervtötendem Tatüüü-tataaa-tatütatütatü rast der Streifenwagen vorbei und nun macht sich Claudia an die Verfolgung, fällt aber weit zurück. Unbehelligt erreichen die ‚Hexen’ auf ihrem neuzeitlichen ‚Besen’ das Nacktbadegelände ‚Klein Hawaii’. Ihr Auftritt löst natürlich ein großes Hallo! aus, besonders bei den fast vollzählig versammelten Volleyballmädchen. Claudia fährt noch eine Ehrenrunde unter dem anerkennenden Gejohle der Nudisten. Die Puch Ranger parkt sie etwas abseits hinter einem Busch, dann geht es ans Erzählen. Natürlich wollen alle in allen Einzelheiten wissen, wie es dazu kam, wie die Fahrt war und überhaupt.
Sabine ist gerade dabei, die unheimliche Begegnung mit dem ‚Exorzisten’ zu sc***dern, als von der Straße her wieder die Polizeisirene erklingt. Doch plötzlich kracht es, der Streifenwagen ****** durch das straßenbegrenzende Buschwerk und landet in einem der schlammigen Autümpel. Die Sirene erstirbt, die Fahrertür öffnet sich und die wutentbrannte Rebekka erscheint.
„Da! Sehen Sie, was Sie angerichtet haben, Revierinspektor Zimmermann!“, schreit sie. „Was fällt Ihnen ein, mir während der Fahrt an den Busen zu greifen? Im Dienst! In Uniform! Das nehme ich nicht auf mich, das ist Ihre Schuld, ganz allein Ihre Schuld!“ Sie stapft vom Auto weg und nähert sich den Schaulustigen.
Jetzt öffnet Revierinspektor Zimmermann die Beifahrertür und klettert ächzend, mit knallrotem Kopf sehr vorsichtig heraus. „Aber liebes Fräulein …!“
„Frau!“
„Äh – liebe Frau Kollegin, so warten sie doch. Wir können alles regeln, aber wir müssen die Dienststelle verständigen. Und …“
„Dann machen Sie das! Ich habe schon seit genau fünfzehn Minuten Feierabend. Ich bin nicht mehr im Dienst, Sie schon. Sie kriegen ja auch Überstunden bezahlt. Ich aber nicht. Und darum befinde ich mich jetzt in meiner Freizeit und da mache ich, was ich will.“
Inzwischen ist sie schon bei ihren Volleyballerinnen angekommen und deutet ihnen, sie nicht als Freundin in Empfang zu nehmen. Zimmermann ist die ganze Zeit hinter ihr her gestolpert. Da fängt einer weiter hinten an und gleich fallen alle ein, klatschen in die Hände und fordern: „Ausziehen, ausziehen! Ausziehen oder abhauen! Ausziehen, ausziehen!“ Rebekka folgt dem Aufruf sofort, legt ihre Uniform ab und ordentlich zusammen, behält aber die Mütze auf. Nackt in ihrer noblen Blässe der Rothaarigen und der Feuermähne bietet sie einen extrem leckeren Anblick. Sie stellt sich in die zweite Reihe und fällt in den Chor ein: „Ausziehen, ausziehen! Ausziehen oder abhauen! Ausziehen, ausziehen!“
Revierinspektor Zimmermann zieht es vor, abzuhauen.
Nächstes Kapitel: Ein heißer Juli 18 – Blocken, baggern, bumsen
Ranger
Claudia steht mit Sabine und Susi in einem Schuppen und antwortet auf die Frage, wie sie denn nun zum Volleyballtraining kommen sollen mit: „Voila! Damit“
Sabine hat es sozusagen die Sprache verschlagen. Susi fragt stockend: „Fährt das Ding überhaupt noch? Das ist ja mindestens fünfzig Jahre alt!“ Da steht ein kantiges Gefährt, teils mausgrau, teils rostrot, aber der Motor glänzt wie frisch poliert.
„So ein Quatsch! Nicht mal halb so alt. Ich dachte, ihr habt Ahnung von Mopeds. Das ist eine Puch Ranger, Baujahr 1984. Ich und mein Bruder haben daran ein wenig rumgebastelt …“
„Du hast einen Bruder? Josie hat davon nichts erwähnt, dass sie ein zweites Mal ‚nicht aufgepasst’ hätte.“
„Er ist nicht mein leiblicher Bruder, sondern der Enkel von meinem Großonkel, bei dem ich aufgewachsen bin. Besser gesagt, der Mann, der Mamas Tante geheiratet hat. Ihr wisst schon, da, wo ich Traktorfahren gelernt habe …“
„Mit Dildo!“, unterbricht Sabine, die endlich wieder Worte gefunden hat, die sie unbedingt loswerden muss.
„Genau! Und der Roman …“
„Etwa der Fußballer?“, mischt sich wieder Sabine ein.
„Richtig. Hast du den auch schon kennengelernt? Ach so, beim Sportlertreff!“
„Nicht bloß kennengelernt, äh …“
„Du lässt aber schon keinen Mann aus!“
„Nicht, wenn er willig und dabei so sympathisch ist.“
„Und ein guter Stecher!“
„Das heißt, du hast dir damals nicht nur Dildos in die Muschi geschoben?“
Claudia grinst und meint, das gehöre jetzt nicht hierher, obwohl ja keine Straftat vorliege.
„Ich dachte, du warst damals erst vierzehn?“
„Dreizehneinhalb, wenn du es genau wissen willst und er ist nur ein halbes Jahr älter. Keine Straftat und jetzt Schluss damit. Sucht euch einen Helm aus, dann geht es los!“
„Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Ich meine, du meinst, äh …“, stottert Susi.
„… dass wir da nackig drauf runter fahren?“, ergänzt Sabine.
„Warum denn nicht? Mit Helm auf, erkennt euch ja keiner und sonst seid’s auch nit so g’schamig. Jetzt rennt’s den ganzen Tag nackat durch die Gegend und iatz ziacht’s in Schwanz ein. Oder wie man in diesem, eurem Falle, sagt.“ Claudia spielt auf empört. Und hat wieder mal den wunden Punkt erwischt. Kneifen gilt nicht.
„Okay, okay, dann aber du auch. Mitgegangen, mitgefangen. Runter mit den Klamotten!“ Sabine ist unbarmherzig. Sie und Susi starren Claudia fordernd an, doch die sträubt sich.
„Na! Na, wieso? Ich hab‘ ja ein G’wand und außerdem muss ich auf den Tank rutschen, sonst habt’s ja keinen Platz.“
„Dann leg dir eine Decke unter, damit du dir die Muschi nicht verkühlst, aber entweder alle oder keine!“
Wieder grinst Claudia, zieht sich aus, hängt alle Sachen über den Arm und verkündet: „Ich hab’s ja gewusst, dass ihr bei der Hetz mitmacht. War auch klar, dass ihr mich da nicht raus lassen würdet. Also habe ich vorhin – da wart ihr noch beim Vögeln – Anziehsachen für uns alle drei in den Stauraum gestopft. Schiebt die Puch schon mal raus, ich hol noch was. Decke ist da drüben in der alten Kommode.“
Claudia verlässt den Schuppen, Sabine öffnet das Tor und Susi schiebt die alte Ranger hinaus in die Sonne. In der Kommode finden sie auch eine passende kleine Decke, die sie über den Tank breiten und mit einem Gurt, der auch in der Schublade lag, befestigen. Danach studieren sie eine interessante Auswahl an Helmen. Sabine findet für sich einen schwarzen Vollvisierhelm mit aufgemalten roten Flügeln, Susi entscheidet sich für ein rotes Exemplar, auf dem das Bild eines kopulierenden Paares aufgeklebt ist. „Wenn schon geil, dann ganz!“, befindet sie. Sabine wiederum glaubt jetzt, ihre roten Flügel seien zu bieder. Als Ersatz greift sie einen Helm, der von hinten gesehen wie ein knackiger, nackter Po aussieht. „Voll geil!“, kommentiert Susi.
Sabine hat noch was auf dem Herzen. „Du-u? Sag mal ganz ehrlich, wärst du wirklich nackt zum Servieren rausgegangen? Ich weiß nicht, ob ich mich getraut hätte.“
Susi schmunzelt. „Ich war mir zu neunundneunzig Prozent sicher, dass mich Claudia stoppt. Erinnere dich, wie sie streng war, dass wir wegen der Touristen nicht nackt vor dem Haus herumturnen sollen!“
„Verflixt! Daran habe ich nicht gedacht!“
„Macht nichts. Dafür hast du ja mich, fürs Denken.“
„Schuftin! Stell mich nicht als blondes Dummchen hin!“
„Bist doch blond!“
„Aber nicht so blond!“ Sabine schiebt eine dicke Schmolllippe, ****** aber gleich darauf in Gelächter aus. „Du bist mir eine, Susi! Aber was wäre gewesen, wenn das eine Prozent eingetreten wäre?“
„Tja, dann … Ich weiß auch nicht, ich war mir einfach sicher.“
„Aber jetzt rein theoretisch …?“
„Rein theoretisch wäre ich praktisch in der Scheiße gesessen. Wahrscheinlich hätte ich es durchgezogen. Du kennst mich ja. Kneifen nur bei Lebensgefahr.“
Sabine seufzt. „Ja, das kenn ich. Verdammter Stolz!“
Toys
Da kommt auch Claudia wieder. Ihr Helm ist schneeweiß und trägt gut sichtbar in großer Schrift ihren Namen, ihre Sozialversicherungsnummer und ihre Blutgruppe. Unter dem Arm trägt sie eine längliche Schachtel. „Das habe ich von der Bea. Ich soll sie mal durchprobieren. Da könnt ihr mitmachen, dann haben wir ein wenig Spaß bei der Fahrt.“ Sie nimmt den Deckel ab und da liegen in Wattebettchen sechs Lustkugeln in verschiedenen Ausfertigungen. Bei zwei Exemplaren kann man eigentlich nicht von Kugeln reden. Ein Modell besteht aus zwei tropfenförmigen Körpern, die durch einen schmalen Steg verbunden sind, ein weiteres sieht aus wie ein an beiden Enden abgerundeter Zylinder, die anderen vier sind traditionell: Zwei Kugeln, durch ein Band verbunden, aber verschieden in Farbe, Größe und Oberflächenstruktur.
„Nein danke! Das lass ich lieber bleiben, da hab‘ ich schlechte Erfahrungen gemacht!“, lehnt Susi ab.
„Ach ne! Du hast da schon Erfahrungen mit?“, springt Sabine gleich drauf an. Susi gibt die Kurzfassung ihres Erlebnisses mit dem wild gewordenen Dildo von Marika zum Besten.
Doch Claudia beruhigt sie. „Da ist keine Gefahr, die sind alle ohne Batterie. Es soll aber ein tolles Gefühl sein, wenn dich die Dinger so ausfüllen und sich in deinem Rhythmus bewegen. Halt die Muschi ruhig - und stopp! Ganz ungefährlich.“
Die experimentierfreudige Sabine greift mutig zum Doppeltropfen, Claudia entscheidet sich für die größten Kugeln. „Vierundvierzig Millimeter, Edelstahl, hohl, Innenkugel, hm“, liest sie vor. „Sieht gar nicht so riesig aus. Marks Schwanz ist jedenfalls dicker und der passt rein, also muss das locker gehen!“ Schon schiebt sie sich die erste Kugel in die Vagina. „Los Mädels, nur Mut, da wird es uns während der Fahrt nicht langweilig!“ Wenn die wüsste!
Auch Sabine versucht es unverdrossen und es flutscht problemlos. Probeweise hüpft sie hin und her. „Aaah! Das ist richtig angenehm!“ Erwartungsvoll starrt sie Susi an, die immer noch unsicher ist, ob sie sich noch einmal so einem Risiko aussetzen soll.
Jetzt fixiert sie auch noch Claudia unter fordernd gerunzelten Augenbrauen hervor. Ganz gegen ihr sonstiges cooles Selbstbewusstsein zappelt Susi nervös, greift dann aber fahrig in die Schachtel. Verblüfft, fast erschreckt, erkennt sie in ihrer Hand den bedrohlich aussehenden Zylinder. Er glänzt golden und an einem Ende ist ein dünnes Kettchen mit einem Ring befestigt.
„Super Wahl!“, ruft Claudia. „Schieb ihn rein, dann geht’s los. Pass nur auf, dass du den Ring nicht mitverschluckst, der ist zum Rausziehen da!“
Susi wirft ihr einen giftigen Blick zu – darauf wäre sie selber auch gekommen – und fügt sich ins Unvermeidliche. Probeweise zieht sie am Ring, danach scheint sie beruhigt. „Okay! Bringen wir es hinter uns. Eigentlich sind wir vollkommen plemplem!“
„Ja!“
„Genau!“
Claudia tritt auf den Kickstarter und der Motor springt sofort knatternd an. Sie schwingt sich auf den Sitz und rutscht so weit wie möglich nach vor. „Let’s fetz, Mädels, sattelt die Pferde!“ Susi klemmt sich dahinter und schmiegt sich an Claudias Rücken.
„Rutsch weiter vor, ich hab‘ so nicht genug Platz da hinten!“
„Geht aber nicht!“
„Schieb deinen fetten Arsch nach vorn, Susi!“
„Selber fetter Arsch! Das sind die zwei Knödel von letztem Montag, die du unterschlagen hast!“
„Das sind keine Knödel, das ist mein Busen! Und jetzt rück, sonst …!“
„Was sonst?“
Sabine zwickt heftig in die Po-Backe vor ihr. Susi zuckt nach vorne und schreit erbost: „Auaa! Bist du des Wahnsinns?“
„Na, also! Geht doch!“ Sabine reibt zärtlich über die betroffene Stelle. „Bleib ja, wo du bist!“ Dann setzt sie sich vorsichtig hinter ihre Freundin und schlingt ihre Arme um sie, hält sich an Claudias Taille fest. „Fahr los, aber vorsichtig! Ich habe ja keine eigenen Fußrasten.“
Claudia versucht ihr Bestes, aber sie muss trotzdem ganz ordentlich beschleunigen, damit die Ranger die Rampe hinaus zum Güterweg schafft. Gleich darauf rumpelt sie über den ersten, dann über den zweiten Weiderost. Dies versetzt die eingeführten Sexspielzeuge in Schwingungen, die sich auch bei der weiteren Fahrt über die unebene Straße nicht legen, eher noch verstärken. Gelegentliche Seufzer zeugen von der einsetzenden Wirkung.
Besonders Susi scheint ziemlich in Stimmung zu kommen. Gelegentlich entfährt ihr ein wehmütiges „Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa!“
Die heiße Fahrt findet nicht ganz unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Einige Wanderer lassen sie verblüfft stehen, einer schreit anerkennend: „Geiler Arsch!“, wobei nicht klar ist, ob er Sabines eigenen oder den auf ihrem Helm meint. Wahrscheinlich beide.
„Und von meinem Busen sagt er gar nichts?“, meckert Susi, „Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa!“ Der Weg führt nun durch den Wald. Wurzeln queren die Fahrbahn. Claudia rumpelt ungerührt drüber, die Kugeln und Federn im Zylinder geraten in heftige Vibrationen. „Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa! Oioioi! Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo!“, singt Susi in aufsteigender Ekstase. So lernt sie auf natürliche Weise das Jodeln.
„Hier sind mir zu viele Fußgänger, ich nehme eine andere Strecke!“, verkündet Claudia und biegt in einen Hohlweg ab.
„Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo! Eieieieiei-juu!“ Susi hechelt. Gut, dass sie von Sabine fest umklammert wird. Der Weg wird rauer, Claudia geht mit dem Tempo runter. Rechts, etwas abseits, steht eine Kapelle, davor ein paar Leute, Sabine glaubt, in einem den schüchternen Gabriel zu erkennen, aber schon sind sie vorbei.
„Scheiße, scheiße, scheiße!“, flucht Claudia. „Heute ist Edelburg!“
„Was?“
„Edelburg, siebter Juli, Festtag der Heiligen Edelburg. Hier haben wir lauter so bescheuerte Heilige, die niemand kennt, aber an ihrem Tag gehen die Leute wallfahren. Macht euch auf was gefasst!“ Sie gibt wieder Gas. „Augen auf und durch! Gut festhalten!
Exorzist
„Uh-oh-uh-ohhuu-mmnnjaa! Oioioi! Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo!“ Claudia betätigt dazu eine rostig klingende Hupe. Tatsächlich kommt ihnen hinter einer Biegung ein Trupp Wallfahrer entgegen. Schimpfend springen sie zur Seite. „Jajaja, huu-iih-oioiooh-haah-lulujoo! Eieieieiei-juu!“, heult Susi.
An der nächsten Kurve ist eine Kreuzwegstation, davor andächtige Pilger. Nur eine schmale Gasse bleibt frei, zwischen den Menschen und Station VIII, Jesus begegnet den weinenden Frauen. Frauen sind da, aber sie weinen nicht, sondern kreischen: „Hexensabbat, Hexensabbat! Weiche, Satan!“
Ein exorzistisch geschwungenes Holzkreuz in der Hand eines hageren Mannes verfehlt die drei ‚Hexen’ nur knapp. „Der hält sich wohl für’n Pater Haspinger!“, knurrt Claudia. „Aber gleich haben wir es geschafft, Da vorne können wir durch den Wald ausweichen. Gut, dass die Ranger geländetauglich ist!“
Knapp vor einer weiteren Gruppe Wallfahrer, die entsetzt erstarren wie Lots Weib, rast Claudia mit ihrer heißen Fracht über einen schmalen Pfad aus dem Hohlweg hinaus in den Wald, bremst aber sofort und verhindert damit, dass Sabine aus dem Sattel geworfen wird. Die beißt die Zähne zusammen und sagt nichts mehr. Susi wimmert lustvoll.
Auf einer sonnigen Lichtung stoppt Claudia das Moped und nimmt den Helm ab. „Puh! Das war aber was!“ Sabine steigt vorsichtig nach hinten ab und reibt sich den Po. Susi klebt immer noch an Claudias Rücken und schnauft angestrengt. Die tollkühne Lenkerin wackelt aber aufmunternd mit den Hüften. „Los jetzt! Keine Müdigkeit vorschützen! Kurze Pause und Kriegsrat. Aaaabsteigen!“ Seufzend schwingt Susi sich aus dem Sattel und taumelt gegen Sabine, die sie zärtlich umfängt.
Langsam normalisiert sich aller Pulsschlag wieder. Die drei schauen sich an und brechen unisono in übermütiges Gelächter aus. „Mannomann, war das geil!“
„Das kannst du laut sagen!“
"Oh ja! Und wie geil!“, flüstert Susi und zerrt an ihrem Rückholkettchen. Sie hält Claudia den glänzenden Zylinder hin. „Da! Ich halte das nicht länger aus, aber es war irre geil, auweia!“
Aber sie wird das Ding nicht los. „Was soll ich denn jetzt damit? Ich habe keine Tasche und in meiner Muschi ist schon besetzt!“
„Gib ihn bitte ins Gepäckfach oder so.“
„Kommt gar nicht in Frage. Dort ist es so vollgestopft, wenn ich jetzt aufmache, quillt alles raus, geschweige denn, dass ich noch was zusätzlich reinbringe. Oder wollt ihr aufgeben und euch anziehen?“
„Was wir? Wer war denn so gaga, dass wir nackt zum Training fahren sollen, weil dort sowieso FKK ist? Wir etwa?“ Susi ist jetzt echt aufgeregt.
„Wir geben nicht auf, nie! Aber du bist hier Kapitän, du triffst die Entscheidungen, also auch über Kapitulation oder Weitermachen“, stellt Sabine klar und damit Claudia vor eine knifflige Frage. Der Schwarze Peter ist eindeutig zugewiesen und es gibt keine Chance, diesen wieder loszuwerden.
Ein Weilchen grübelt Claudia nach einer Lösung, bei der sie nicht das Gesicht oder den Führerschein verliert, dann beißt sie die Zähne zusammen und zischt: „Verdammt, wir ziehen das jetzt durch! Susi, schieb dir das verflixte Ding wieder rein oder häng es dir um den Hals und aufgesessen!“
„Schieb den Zylinder so weit wie möglich hinein, dann trommelt er dir nicht dauernd auf den G-Punkt!“, rät Sabine, und aufseufzend fügt sich Susi in ihr Schicksal. Diesmal drückt sie sich freiwillig eng an Claudia, sodass Sabine ihre drohend zwickbereite Hand wieder senken und sanft um ihre Freundin legen kann. In gemäßigtem Tempo geht es durch den lichten Kiefernwald.
„Wenn das nur gut geht!“, knurrt Claudia.
„Wieso? Es ist doch bisher auch immer gut gegangen?“, muntert sie Susi auf.
„Komm uns jetzt nicht mit kölschen Weisheiten!“, meldet sich Sabine von ganz hinten. „Wir brauchen bloß ein klein wenig Glück und hier im Wald ist keiner mehr, der uns mit der Kreuzkeule bearbeiten will.“
„Schon, aber jetzt kommen wir auf die Landstraße. Da ist ganz normaler Straßenverkehr. Nicht viel, aber eben doch. Rund ein Kilometer. Wenn wir auf dem alten Weg geblieben wären, hätten wir nur knapp hundert Meter gehabt.“
„Wie schnell läuft denn das Ding?“
„Wie schon angedeutet, haben Roman und ich ein bisschen gebastelt. Jetzt schafft sie knapp neunzig Sachen mit fünf PS. Es ist jedes Jahr eine Sauarbeit, alles fürs Pickerl zurückzubauen.“
„Für was??“
„Pickerl! Plakette! TÜV!“
„Ach so. Neunzig also? Das heißt, wir brauchen ungefähr fünfundvierzig Sekunden für den Kilometer, na, sagen wir, eine Minute. Mein Gott, das schaffen wir!“ Susi ist auf einmal wieder zuversichtlich. Sabines Rat war wohl Gold wert gewesen.
„Dann wollen wir es versuchen. Dein Wort in Gottes Gehörgang!“ Behutsam schlängelt sich Claudia durch die licht stehenden Stämme. Vereinzelten Kranebittstauden (Wacholderbüschen) muss sie zwar ausweichen, aber geschickt bugsiert sie das Moped durchs Gelände. Die Vibrationen halten sich in Grenzen. Susi muss nicht mehr jodeln.
Von weiter unten hört man gelegentliche Motorgeräusche vorbeifahrender Autos, Traktoren und Motorräder. „Ich fürchte, um Publikum kommen wir nicht herum. Länger als etwa zwanzig Sekunden war da unten nie Ruhe“, vermeldet Susi.
Diese Vermutung bestätigt sich, als sie kurz darauf am Straßenrand anhalten. Nur notdürftig von einem Gestrüpp verdeckt, beobachten sie den Verkehr. Kurz entschlossen biegt Claudia hinter einem Lastwagen, der in die richtige Richtung fährt, ein und versucht mit Vollgas, den Anschluss zu gewinnen. Mit dem gemütlichen Tempo des klapprigen Transporters wird es zwar länger dauern, dafür sind sie einigermaßen in Deckung. Im Windschatten sind sie weder vom Fahrer, noch von entgegenkommenden Fahrzeugen zu sehen. Dafür aber von zwei Motorradfahrern, die plötzlich von hinten heran geschossen kommen, umso besser. Anstatt den Lastwagen flott zu überholen, nehmen sie die drei Nackten links und rechts in die Zange, schieben ihre Visiere auf und grinsen übers ganze Gesicht. Daumen hoch! Dann lässt sich der rechte wieder zurückfallen und fegt hinter seinem Kumpel her, der mit aufheulendem Motor den Laster stehen lässt.
Doch nur wenige Sekunden später ist er wieder da, kommt ihnen entgegen, wendet und deutet Claudia, anzuhalten. Die stoppt auf dem Bankett und schaut den Biker fragend an. „Da vorne ist Polizeikontrolle. Mein Kumpel ist denen voll in die Falle gefahren. Ich konnte gerade noch die Biege machen.“
Claudia ist die Ruhe selbst. „Wo genau? Bei dem kleinen Parkplatz mit dem grünen Abfalleimer?“, vermutet sie.
„Abfalleimer weiß ich nicht, aber jedenfalls ist da rechts ein Platz. Da steht der Streifenwagen.“
Claudia bedankt sich herzlich und lädt den Straßenkameraden zu einem Glas Buttermilch auf die Mugglalm ein. Doch der Mann ist aus Leverkusen und will heute noch mit seinem Kumpel über den Brenner. Vielleicht auf dem Rückweg? Sabine sinniert, wie Claudia wohl das mit der Buttermilch meint und kommt durchaus zum richtigen Ergebnis. So ist sie halt!
Nun, ohne Deckung durch Gebüsch, Lastwagen oder Motorradfahrer und mit der drohenden Polizeigefahr voraus fühlen sie sich erst so richtig nackt. Gespannt wie ein Flitzebogen fährt Claudia noch ein wenig weiter, biegt dann abrupt in einen Waldweg ein und stoppt. „Da vorne müssen sie sein. Ich schleich' mich mal an und sondiere die Lage!“
„Ich komm‘ mit.“
„Ich auch!“
„Also mir nach!“
Die drei nackten Wilden schleichen im Gänsemarsch durch den Wald. Plötzlich stoppt Claudia, die beiden anderen laufen auf sie auf. „Psst! Da ist Rebekka! Vielleicht kann sie uns helfen. Sonst geben wir auf. Ich riskier' nicht meinen Schein. Sie haben mich schon zweimal zu dritt auf der Ranger erwischt, nackt aber noch nie.“
Die Polizei, dein Freund und Helfer
Sabine und Susi drängen nach vorne. Sie wollen auch einen Blick erhaschen. Da steht ein Streifenwagen, am Straßenrand ein etwas korpulenter Polizist mit Radarpistole. Doch er blickt in die andere Richtung, dem abgestraften Biker nach. Von Rebekka sind im Augenblick nur ihr praller Po und die Beine zu sehen. Der Rest ist im Auto, offensichtlich auf der Suche nach irgendwas, einem Gummiknüppel oder sonst einem praktischen Gegenstand. Claudia wirft mit Kiefernzapfen nach ihr. Schon der zweite trifft Rebekka am Hintern. Fuchsteufelswild schießt sie aus dem Wagen, sucht den Übeltäter.
Claudia wirft noch einen Zapfen in Richtung der rothaarigen Polizeischülerin, zeigt ihr Gesicht und winkt. „Psst! Hierher, Rebekka, hierher! Foooxy!“ Endlich setzt die sich in Bewegung. Als sie erkennt, was sich hinter dem Gebüsch verbirgt, fängt sie hell an zu lachen, aber Claudia hält ihr blitzschnell den Mund zu. Wenn das der andere Polizist sähe, zöge er wohl unweigerlich die Waffe. Aber er schaut immer noch in die andere Richtung und hofft auf Schnellfahrer. „Psssst!“, zischt Claudia noch einmal und erklärt Rebekka ihre Lage.
Deren Augen funkeln belustigt. „Ihr wollt wirklich zu dritt und nackat auf deinem Moped über die Landesstraße nach Klein Hawaii? Wow! Wenn ich nicht bei der Polizei wäre, würde ich mitmachen, ich schwör’s. Okay, wir machen es so. Ihr geht zurück, du drückst auf die Hupe, zählst bis zwanzig, dann fahrt ihr los, aber nicht Vollgas, sondern gemütlich. Den Rest mach‘ ich. Wenn’s hinhaut, merkt der Zimmermann gar nicht, dass da was war, wenn nicht, seid ihr natürlich dran, wenn er euch erwischt. Also in dem Fall Vollgas und dann ab in Richtung Pirkat. Er wird euch dann verfolgen wollen, aber ich hab die Schlüssel, also fahr ich.
Wenn wir dann tatsächlich hinter euch nachjagen, seht ihr, wie wir vorbeirauschen. Dann fahrt uns mit Volldampf nach. Nur ich sehe euch im Rückspiegel und ich ‚verfolge ‘euch bis weit hinter Klein Hawaii. Der Zimmermann ist so fett, dass er seinen Hals nicht so weit drehen kann. Also keine Gefahr, dass er merkt, was hinter ihm vor sich geht. Ich bin ihm eh noch was schuldig, denn seit er von der Fete auf der Hütte gehört hat“ – Rebekka grinst lasziv bei der Erinnerung, Claudia, Susi und Sabine detto – „will er mir ständig an die Wäsche, das Schwein! Jetzt kriegt er, was er verdient. Ich hab da einen Plan!“
„Lass hören!“
„Noch nicht, ihr kriegt das schon mit, wenn es soweit ist."
Etwas unzufrieden, weil ihre Neugier ungestillt bleibt, traben die drei Nackten zurück zum Moped. Claudia startet den Motor und als alle aufgesessen sind, drückt sie kräftig auf die Hupe. Gemeinsam zählen sie bis zwanzig, dann fährt sie los. Unglücklicherweise kommt gleich hinter ihnen ein Kleintransporter, der zwar eng aufschließt, aber nicht überholt. Der Fahrer weidet sich offenbar an dem Anblick.
Als sie am Streifenwagen vorbeifahren, wenden ihnen die Polizeibeamten die Rücken zu. Anscheinend weist Rebekka ihren Partner Zimmermann auf irgendetwas oben auf dem Berghang hin. Alles scheint gut zu gehen, da drückt der geile Idiot im Lieferwagen auf die Hupe. Natürlich fährt Zimmermann herum und obwohl Rebekka geistesgegenwärtig noch versucht, ihm die Sicht zu verstellen, erhascht er einen Blick auf Sabines nackten Hintern. Claudia reißt am Gas, die Ranger heult gequält auf.
Verfolgt vom Kleinlieferwagen beschleunigt die alte Puch, doch noch vor Erreichen der Höchstgeschwindigkeit, reißt Claudia das Gefährt in die Abzweigung zum Weiler Pirkat und geht im Gebüsch in Deckung. Von hinten ertönt das Folgetonhorn. Rebekka leistet ganze Arbeit!
Mit Blaulicht und nervtötendem Tatüüü-tataaa-tatütatütatü rast der Streifenwagen vorbei und nun macht sich Claudia an die Verfolgung, fällt aber weit zurück. Unbehelligt erreichen die ‚Hexen’ auf ihrem neuzeitlichen ‚Besen’ das Nacktbadegelände ‚Klein Hawaii’. Ihr Auftritt löst natürlich ein großes Hallo! aus, besonders bei den fast vollzählig versammelten Volleyballmädchen. Claudia fährt noch eine Ehrenrunde unter dem anerkennenden Gejohle der Nudisten. Die Puch Ranger parkt sie etwas abseits hinter einem Busch, dann geht es ans Erzählen. Natürlich wollen alle in allen Einzelheiten wissen, wie es dazu kam, wie die Fahrt war und überhaupt.
Sabine ist gerade dabei, die unheimliche Begegnung mit dem ‚Exorzisten’ zu sc***dern, als von der Straße her wieder die Polizeisirene erklingt. Doch plötzlich kracht es, der Streifenwagen ****** durch das straßenbegrenzende Buschwerk und landet in einem der schlammigen Autümpel. Die Sirene erstirbt, die Fahrertür öffnet sich und die wutentbrannte Rebekka erscheint.
„Da! Sehen Sie, was Sie angerichtet haben, Revierinspektor Zimmermann!“, schreit sie. „Was fällt Ihnen ein, mir während der Fahrt an den Busen zu greifen? Im Dienst! In Uniform! Das nehme ich nicht auf mich, das ist Ihre Schuld, ganz allein Ihre Schuld!“ Sie stapft vom Auto weg und nähert sich den Schaulustigen.
Jetzt öffnet Revierinspektor Zimmermann die Beifahrertür und klettert ächzend, mit knallrotem Kopf sehr vorsichtig heraus. „Aber liebes Fräulein …!“
„Frau!“
„Äh – liebe Frau Kollegin, so warten sie doch. Wir können alles regeln, aber wir müssen die Dienststelle verständigen. Und …“
„Dann machen Sie das! Ich habe schon seit genau fünfzehn Minuten Feierabend. Ich bin nicht mehr im Dienst, Sie schon. Sie kriegen ja auch Überstunden bezahlt. Ich aber nicht. Und darum befinde ich mich jetzt in meiner Freizeit und da mache ich, was ich will.“
Inzwischen ist sie schon bei ihren Volleyballerinnen angekommen und deutet ihnen, sie nicht als Freundin in Empfang zu nehmen. Zimmermann ist die ganze Zeit hinter ihr her gestolpert. Da fängt einer weiter hinten an und gleich fallen alle ein, klatschen in die Hände und fordern: „Ausziehen, ausziehen! Ausziehen oder abhauen! Ausziehen, ausziehen!“ Rebekka folgt dem Aufruf sofort, legt ihre Uniform ab und ordentlich zusammen, behält aber die Mütze auf. Nackt in ihrer noblen Blässe der Rothaarigen und der Feuermähne bietet sie einen extrem leckeren Anblick. Sie stellt sich in die zweite Reihe und fällt in den Chor ein: „Ausziehen, ausziehen! Ausziehen oder abhauen! Ausziehen, ausziehen!“
Revierinspektor Zimmermann zieht es vor, abzuhauen.
Nächstes Kapitel: Ein heißer Juli 18 – Blocken, baggern, bumsen
5年前