1. Teil: Neuanfang
Ich hatte mich nach einer 20-jährigen Ehe scheiden lassen, eigentlich scheiden lassen müssen. Sie wollte es. Es war eine Jugendliebe und wir heirateten noch als Studenten, weil wir unsere Tochter erwarteten, später bekamen wir noch einen Sohn. Hatten zusammen zwei Firmen aufgebaut, eine Kette von kleinen Geschäften mit der italienischen Damenbekleidung, ich ein Unternehmen in IT und Finanzen. Die Scheidung war nicht unerwartet, eigentlich hatten wir schon länger keinen Sex mehr. Meine Frau und auch ich, wir beide sind etwas aus dem Rahmen gefallen. Wir sahen uns nur noch am Wochende, weil wir beide während der Woche zu beschäftigt waren. Sie nahm kröftig zu, und an mir gingen die Pfunde auch nicht spurlos vorbei. Eines Tages sagte sie mir lapidar, sie wolle einen Neuanfang starten und sich scheiden lassen. Ich stimmte zu, obwohl widerwillig, aber dann doch auch freiwillig. Es hatte auch in mir schon länger gekocht, ehrlich gesagt. Mit dem zunehmenden Alter bin ich immer geiler geworden. Ich stand jeden Morgen mit einem steifen Glied auf, auch in der Nacht wachte ich mit einem steifen Glied auf. Mitten am Tag hatte ich einen Steifen. Aber meine Frau war mir eigentlich sexuell völlig uninteressant geworden. Und sie tat so oder aber hat wirklich nichts davon gemerkt. Sie war mir lieb, sehr lieb. Aber seitdem sie das gemeinsame Leben durch Küche, Haushalt und Büro getauscht hat, war diese Aura langsam, aber sicher dahin. Sie verschwand. Deshalb stimmte ich der Scheidung zu. Sie bekam ihre Geschäfte mit der Damenbekleidung, mir blieb das große Haus mit dem Garten am See, das ich von meinen Eltern vererbt bekommen habe. Also nicht alle Geschäfte. Wir hatten vier, das erste Geschäft, das wir in der Stadt eröffnet und mit dem Geld meiner verstorbenen Eltern finanziert haben, habe ich behalten. Ich bin nie der Typ für Damenbekleidung gewesen, ich erfüllte dadurch nur den Gefallen meiner Frau. Also wie es mit dem Geschäft weitergehen sollte, wusste ich zunächst nicht so recht.
Nun war ich allein im Haus, mit zwei Katzen und einem Hund. Ich war überzeugt, dass ich sehr lange trauern würde, aber zum Glück war es nicht so. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es mir eigentlich sehr guttut. Ich begann nachzudenken, was ich vorher nicht einmal in Erwägung gezogen hätte. Ich fing wieder an lange Spaziergänge zu unternehmen und besuchte dreimal die Woche ein Fitnessstudio. Das war für den Anfang.
Die größte Sorge machte mir aber das verbliebene Geschäft mit der Damenbekleidung. Wie gesagt habe ich kein Talent für so was, also stand ich vor der Entscheidung, es zu schließen, auch dieses Geschäft meiner Ex zu übergeben oder mich in irgendeiner Weise mit dem Verkauf der Damenbekleidung zu arrangieren. Die Geschäfte waren immer eine Sache meiner Ex, ich habe mich niemals eingemischt, außer ich musste Geld beisteuern, wenn sie knapp bei Kasse war. Ich kannte die Frauen, die dort arbeiteten, auch nicht, bin praktisch niemals hingegangen. Meine Ex schrieb mir einfach eine SMS: „Ich habe alles mit der Buchhaltung geregelt, ab den Ersten in drei Tagen, muss du jetzt übernehmen. Ruf mich nicht ständig an, wenn was schiefläuft.“
Ich hatte keine andere Wahl und ging noch am selben Tag ins Geschäft. Hinter der Kasse stand eine rothaarige, gebräunte, geschminkte und elegant gekleidete Dame Anfang 30. Ich sah sie das erste Mal. Ich kam mir zunächst etwas verloren vor, wusste überhaupt nicht, wie ich das Gespräch anfangen sollte.
„Guten Tag. Meine Ex meinte, ab den Ersten müssen wir wohl allein auskommen.“ Was Besseres fiel mir ja nicht ein.
„Ja, ich weiß. Wird wohl so sein,“ antwortete die Dame.
Die erste Hürde wurde genommen, nun konnte ich sogar etwas lächeln und die Dame in Augenschein nehmen. Sie merkte es und setzte sofort nach, um der weiteren Musterung meinerseits zu entgehen:
„Also Bettina hat mir gesagt, ich soll jetzt den Laden führen und Sie mit allem bekannt machen. Wenn Sie sich dann anders entscheiden, mache ich es dann eben so, wie Sie es mir ausrichten werden. Ich mag diese Arbeit und werde mich voll engagieren, damit der Laden gut läuft. Sie können mich auf die Probe stellen, wenn sie wollen.“
„Das werde ich sehr wohl“ erwiderte ich wie geschossen, ohne wirklich meine Worte zu überlegen.
Wir lachten beide daraufhin.
„Was wollen Sie alles wissen?“ fragte sie anschließend.
„Ich wollte zunächst den Laden sehen. Es hat sich einiges geändert, seitdem wir den Laden vor 10 Jahren eröffnet haben. Ich war ewig lang nicht mehr hier. Wieviele seid ihr jetzt? Zwei, drei?“
„Wir sind zu dritt. Ich und noch zwei.“
„Jünger oder älter?“
„Eine ist Studentin, die andere ist Rentnerin. Sie kommen nur halbtags.“
„Und Ihr Name ist?“
„Ich bin Ulrike.“
„Wird sich nach dem Ersten kurzfristig was ändern. Muss ich mir Sorgen machen? Muss ich irgendwas erledigen?“
Ulrike lächelte freundlich und meinte: „Eigentlich nicht. Oder doch. Wir müssen dann bald wieder nach Italien, um Kleider groß einzukaufen. Da werde ich wohl ja mitkommen müssen, oder?“
„Hm, wird wohl so sein, daran habe ich noch überhaupt nicht gedacht. Ich habe keine Ahnung, was für Kleider groß eingekauft werden müssen.“
„Eben. Hoffentlich sind sie einverstanden damit. Sonst hat das alles Bettina allein erledigt. Aber unter diesen Umständen jetzt…“
„Sie brauchen sich nicht zu erklären. Ich weiß es sehr gut. Wir besprechen das dann die kommenden Tage. Ich muss sowieso den Kontostand überprüfen.“
„Das kann ich Ihnen schon jetzt versichern, dass der Kontostand positiv ist. Bettina hat gestern noch etwas überwiesen, damit wir hier nicht ganz leer ausgehen.“
„Darüber hat sie mich aber überhaupt nicht informiert. Nett von ihr.“
„Ja sehr nett. Wir müssen nur noch losfahren und großeinkaufen.“
Also Ulrike war scharf darauf endlich nach Italien zum Großeinkauf zu fahren. Mir soll es recht sein, ich war ja diesbezüglich, welche Damenmode gerade in ist, recht hilflos.
So fing mein Alltag als Damenbekleidungsverkäufer. Es war mir aber sofort klar, das Geschäft wird wohl keinen großen Gewinn abwerfen. Aber solange es sich irgendwie finanziell ausgeht, werde ich dabeibleiben.
Nun war ich allein im Haus, mit zwei Katzen und einem Hund. Ich war überzeugt, dass ich sehr lange trauern würde, aber zum Glück war es nicht so. Ich habe sehr schnell gemerkt, dass es mir eigentlich sehr guttut. Ich begann nachzudenken, was ich vorher nicht einmal in Erwägung gezogen hätte. Ich fing wieder an lange Spaziergänge zu unternehmen und besuchte dreimal die Woche ein Fitnessstudio. Das war für den Anfang.
Die größte Sorge machte mir aber das verbliebene Geschäft mit der Damenbekleidung. Wie gesagt habe ich kein Talent für so was, also stand ich vor der Entscheidung, es zu schließen, auch dieses Geschäft meiner Ex zu übergeben oder mich in irgendeiner Weise mit dem Verkauf der Damenbekleidung zu arrangieren. Die Geschäfte waren immer eine Sache meiner Ex, ich habe mich niemals eingemischt, außer ich musste Geld beisteuern, wenn sie knapp bei Kasse war. Ich kannte die Frauen, die dort arbeiteten, auch nicht, bin praktisch niemals hingegangen. Meine Ex schrieb mir einfach eine SMS: „Ich habe alles mit der Buchhaltung geregelt, ab den Ersten in drei Tagen, muss du jetzt übernehmen. Ruf mich nicht ständig an, wenn was schiefläuft.“
Ich hatte keine andere Wahl und ging noch am selben Tag ins Geschäft. Hinter der Kasse stand eine rothaarige, gebräunte, geschminkte und elegant gekleidete Dame Anfang 30. Ich sah sie das erste Mal. Ich kam mir zunächst etwas verloren vor, wusste überhaupt nicht, wie ich das Gespräch anfangen sollte.
„Guten Tag. Meine Ex meinte, ab den Ersten müssen wir wohl allein auskommen.“ Was Besseres fiel mir ja nicht ein.
„Ja, ich weiß. Wird wohl so sein,“ antwortete die Dame.
Die erste Hürde wurde genommen, nun konnte ich sogar etwas lächeln und die Dame in Augenschein nehmen. Sie merkte es und setzte sofort nach, um der weiteren Musterung meinerseits zu entgehen:
„Also Bettina hat mir gesagt, ich soll jetzt den Laden führen und Sie mit allem bekannt machen. Wenn Sie sich dann anders entscheiden, mache ich es dann eben so, wie Sie es mir ausrichten werden. Ich mag diese Arbeit und werde mich voll engagieren, damit der Laden gut läuft. Sie können mich auf die Probe stellen, wenn sie wollen.“
„Das werde ich sehr wohl“ erwiderte ich wie geschossen, ohne wirklich meine Worte zu überlegen.
Wir lachten beide daraufhin.
„Was wollen Sie alles wissen?“ fragte sie anschließend.
„Ich wollte zunächst den Laden sehen. Es hat sich einiges geändert, seitdem wir den Laden vor 10 Jahren eröffnet haben. Ich war ewig lang nicht mehr hier. Wieviele seid ihr jetzt? Zwei, drei?“
„Wir sind zu dritt. Ich und noch zwei.“
„Jünger oder älter?“
„Eine ist Studentin, die andere ist Rentnerin. Sie kommen nur halbtags.“
„Und Ihr Name ist?“
„Ich bin Ulrike.“
„Wird sich nach dem Ersten kurzfristig was ändern. Muss ich mir Sorgen machen? Muss ich irgendwas erledigen?“
Ulrike lächelte freundlich und meinte: „Eigentlich nicht. Oder doch. Wir müssen dann bald wieder nach Italien, um Kleider groß einzukaufen. Da werde ich wohl ja mitkommen müssen, oder?“
„Hm, wird wohl so sein, daran habe ich noch überhaupt nicht gedacht. Ich habe keine Ahnung, was für Kleider groß eingekauft werden müssen.“
„Eben. Hoffentlich sind sie einverstanden damit. Sonst hat das alles Bettina allein erledigt. Aber unter diesen Umständen jetzt…“
„Sie brauchen sich nicht zu erklären. Ich weiß es sehr gut. Wir besprechen das dann die kommenden Tage. Ich muss sowieso den Kontostand überprüfen.“
„Das kann ich Ihnen schon jetzt versichern, dass der Kontostand positiv ist. Bettina hat gestern noch etwas überwiesen, damit wir hier nicht ganz leer ausgehen.“
„Darüber hat sie mich aber überhaupt nicht informiert. Nett von ihr.“
„Ja sehr nett. Wir müssen nur noch losfahren und großeinkaufen.“
Also Ulrike war scharf darauf endlich nach Italien zum Großeinkauf zu fahren. Mir soll es recht sein, ich war ja diesbezüglich, welche Damenmode gerade in ist, recht hilflos.
So fing mein Alltag als Damenbekleidungsverkäufer. Es war mir aber sofort klar, das Geschäft wird wohl keinen großen Gewinn abwerfen. Aber solange es sich irgendwie finanziell ausgeht, werde ich dabeibleiben.
3年前