Wichser
Onanieren im Knast (Buchfund)
Das »Tal« war ein langer Raum, den man über den Tunnel links vom Speiseraum
erreichte. Entlang der Wand lief eine gußeiserne
Pißrinne. Das Licht in diesem Raum war sehr trübe. Die
Wand über der Rinne war mit weißen Fliesen gekachelt,
die das Licht kaum reflektierten. Man konnte wohl die
Größe und die Figur der Männer zur Linken und zur
Rechten ausmachen, aber das war auch schon alles. Ins
»Tal« ging man nach dem Essen, um sich einen runterzuholen.
Außer einigen Spielverderbern hielt sich niemand
in diesem Verlies nur zum Pissen auf. Es gab Grundregeln.
Man durfte Hüften und Schultern des Nebenmannes berühren,
aber nichts sonst. Die Rinne bot Platz für zwanzig
Männer, und zwanzig Männer standen dort; links und
rechts; schlaff, steif oder auf halbem Weg bedienten sie
sich selbst. Wer fertig war, aber weitermachen wollte,
ging ans Ende der Schlange. Man hörte die üblichen
Witze. Wie oft, Charlie? Fünfmal hab” ich ihn hochgekriegt,
aber langsam werden mir die Füße wund.
Wenn man davon ausgeht, daß der Schwanz das entscheidendste
Glied unserer Überlebenskette darstellt, dann ist
die Vielfalt der Formen, Farben, Größen, Charakteristika,
Dispositionen und Reaktionen, die man bei diesem rudimentären
Instrument findet, viel größer als bei jedem
anderen Körperorgan. Sie waren schwarz, weiß, rot, gelb,
lavendelfarben, braun, warzig, runzlig, anmutig und seidig;
und sie schienen wie eine beliebige Menschenmenge
zur Ladenschlußzeit Jugend, Alter, Sieg, Niederlage, Lachen
und Tränen zu verkörpern. An der Rinne standen die
erregten und zwanghaften Pumper, die Marathontypen,
die sich eine halbe Stunde lang streichelten, da standen die
Stöhner und die, die seufzten; sobald sie abgedrückt hat-
ten und die Salve losging, schüttelten sich die meisten
Männer; sie bockten, hielten den Atem an und gaben
wimmernde, klagende oder freudige Geräusche von sich
und manchmal auch ein Todesröcheln. Es war schon
richtig, daß die Gestalten der Liebhaber ringsum im Dunkel
blieben. Sie waren universell, sie waren Phantome, und
alle Hautkrankheiten, alle Anzeichen von ********ung,
Häßlichkeit, Dummheit oder Schönheit blieben im verborgenen.
Er kam regelmäßig hierher, seit seine Frau ihn
verlassen hatte.
Wenn Er sich krümmte und den Inhalt seiner Eier in
die Rinne pumpte, überkam ihn kaum Trauer — eigentlich
nur eine Art von Ernüchterung darüber, seine Energie auf
Eisen verkleckert zu haben. Trat er von der Rinne zurück,
hatte er das Gefühl, den Zug, das Flugzeug, das Schiff
verpaßt zu haben. Er hatte etwas verfehlt. Er spürte eine
deutlich wahrnehmbare physische Erleichterung beziehungsweise
Besserung: Die Entladung machte das Hirn frei.
Das »Tal« war ein langer Raum, den man über den Tunnel links vom Speiseraum
erreichte. Entlang der Wand lief eine gußeiserne
Pißrinne. Das Licht in diesem Raum war sehr trübe. Die
Wand über der Rinne war mit weißen Fliesen gekachelt,
die das Licht kaum reflektierten. Man konnte wohl die
Größe und die Figur der Männer zur Linken und zur
Rechten ausmachen, aber das war auch schon alles. Ins
»Tal« ging man nach dem Essen, um sich einen runterzuholen.
Außer einigen Spielverderbern hielt sich niemand
in diesem Verlies nur zum Pissen auf. Es gab Grundregeln.
Man durfte Hüften und Schultern des Nebenmannes berühren,
aber nichts sonst. Die Rinne bot Platz für zwanzig
Männer, und zwanzig Männer standen dort; links und
rechts; schlaff, steif oder auf halbem Weg bedienten sie
sich selbst. Wer fertig war, aber weitermachen wollte,
ging ans Ende der Schlange. Man hörte die üblichen
Witze. Wie oft, Charlie? Fünfmal hab” ich ihn hochgekriegt,
aber langsam werden mir die Füße wund.
Wenn man davon ausgeht, daß der Schwanz das entscheidendste
Glied unserer Überlebenskette darstellt, dann ist
die Vielfalt der Formen, Farben, Größen, Charakteristika,
Dispositionen und Reaktionen, die man bei diesem rudimentären
Instrument findet, viel größer als bei jedem
anderen Körperorgan. Sie waren schwarz, weiß, rot, gelb,
lavendelfarben, braun, warzig, runzlig, anmutig und seidig;
und sie schienen wie eine beliebige Menschenmenge
zur Ladenschlußzeit Jugend, Alter, Sieg, Niederlage, Lachen
und Tränen zu verkörpern. An der Rinne standen die
erregten und zwanghaften Pumper, die Marathontypen,
die sich eine halbe Stunde lang streichelten, da standen die
Stöhner und die, die seufzten; sobald sie abgedrückt hat-
ten und die Salve losging, schüttelten sich die meisten
Männer; sie bockten, hielten den Atem an und gaben
wimmernde, klagende oder freudige Geräusche von sich
und manchmal auch ein Todesröcheln. Es war schon
richtig, daß die Gestalten der Liebhaber ringsum im Dunkel
blieben. Sie waren universell, sie waren Phantome, und
alle Hautkrankheiten, alle Anzeichen von ********ung,
Häßlichkeit, Dummheit oder Schönheit blieben im verborgenen.
Er kam regelmäßig hierher, seit seine Frau ihn
verlassen hatte.
Wenn Er sich krümmte und den Inhalt seiner Eier in
die Rinne pumpte, überkam ihn kaum Trauer — eigentlich
nur eine Art von Ernüchterung darüber, seine Energie auf
Eisen verkleckert zu haben. Trat er von der Rinne zurück,
hatte er das Gefühl, den Zug, das Flugzeug, das Schiff
verpaßt zu haben. Er hatte etwas verfehlt. Er spürte eine
deutlich wahrnehmbare physische Erleichterung beziehungsweise
Besserung: Die Entladung machte das Hirn frei.
2年前